Putz
ist mir definitiv passiert. Eine alte Bekannte
von der Siedlung meines Elternhauses bat mich
zunächst ihren Kleinspitz, den sie in
einer Tierhandlung gekauft hatte, für
eine Woche in Pflege zu nehmen, da sie mit
ihrem Kind ins Ausland reiste. Für mich
war das gar kein Problem, da dieser kleine
Mann scheinbar unkompliziert war.
Mir fiel allerdings
schon beim abholen des Hundes auf, dass dieser
extreme Aggressionen gegenüber „seines“
Kindes (damals ca. 2,5 Jahre alt) zeigte.
Wenn der Junge auch nur Anstalten machte sich
dem Hund zu nähern, fletschte dieser
schon die Zähne und scheute auch nicht
davor zurück zuzubeißen. Mir kam
das alles sehr seltsam vor - doch schon nach
wenigen Augenblicken konnte ich beobachten,
dass der Bub seinen Spaß daran hatte
den armen kleinen Hund zu ärgern und
ihn als Spielzeug zu benutzen. Wenn er es
jedoch wagte sich zu wehren gab es auch noch
von seinem damaligen Frauchen eins auf den
Deckel. Nun gut, ich konnte die Situation
dort eh nicht ändern und nahm den Zwerg
für eine Woche bei mir auf, um ihm zumindest
einen schönen Urlaub mit meiner Lotte
zu gönnen.
Nach diesen
paar Tagen hat der Zwerg sich so arg an mich
gebunden, sodass er, als ich ihn wieder zurück
brachte, sofort wieder mit mir mitgehen wollte.
Ich konnte meine Tränen nicht zurück
halten – so leid tat mir der kleine
Wichtel. Irgendwas in mir verleitete mich
dazu der „netten“ Dame anzubieten,
dass „Li“ (so hieß er damals)
jederzeit und auch für immer bei mir
willkommen war.
Ich brauchte
gar nicht lange zu warten, denn bereits nach
3 Wochen bekam ich einen Anruf. Der Hund musste
aus privaten Gründen sofort weg. Ich
nahm den kleinen Kerl selbstverständlich
mit offenen Armen bei mir auf. Wollte ja ohnehin
einen Partner für meine Lotte.
Aufgrund seines Verhaltens wusste ich, dass
er wohl auch öfters eins mit der Leine
drübergezogen bekam. Er ließ sich
von niemand anderem außer mir anleinen
oder das Halsband anlegen.
Weiters benutze
er einen Stoffbären um seinen Stress
auf sexuelle Art an dem Bärchen abzubauen.
*iiiiihhh* Nach nur 2 Tagen stellte er dieses
Verhalten aufgrund der wesentlich stressfreieren
Umgebung bei mir ein!
Auch sonst war
Putzi ein äußerst liebenswerter
Rüde, der trotz schlechter Vergangenheit
ein lebenslustiger und mutiger Kerl war. Er
ließ sich auf keine einzige Rauferei
mit anderen Rüden ein und ließ
sich selbst von läufigen Hündinnen
problemlos abrufen.
Grundsätzlich
bin ich nicht so der Spitzfan, aber dieser
unglaublich tolle Hund zeigte mir, dass es
eben immer Ausnahmen gibt. So kläffte
er beispielsweise sehr wenig und hatte ein
wahnsinnig selbstsicheres Auftreten, was bei
den meisten Spitzen (die ich kenne) nicht
der Fall ist.
Das Problem mit der Angst vor Kindern und
der daraus resultierenden Aggression war
seit dem Einzug vom Wicht eigentlich kein
Thema mehr. Er vertraute mir so sehr, dass
es nie mehr zu einem derartigen Zwischenfall
kam. Ich für meinen Teil nahm die Verantwortung
ihm gegenüber sehr ernst und achtete
penibel darauf, dass er nicht von Kindern
bedrängt wurde, was in Anbetracht der
Anzahl an Kleinkindern in meiner Familie
nicht immer leicht war.
Nach ca. 6 Monaten konnte mein größter
Neffe ihn sogar schon streicheln (selbstverständlich
unter meiner Beaufsichtigung und der Möglichkeit
für den Putz sich jederzeit zurückziehen
zu können).
Parallel zu dem schönen
Leben, das der Zwerg bei mir genießen
durfte, hatte ich große Probleme mit
der ehemaligen Besitzerin. Der fiel nämlich
ca. 1 Monat nach der Übergabe ein, dass
sie ihn doch wieder zurück haben wollte.
Das brachte ich aber nicht übers Herz,
denn 1. wollte ich zum Wohle des Hundes handeln
und 2. ist es gegen meine Prinzipien einen
Hund wie eine Ware zu behandeln und ihn nach
Belieben und aus einer Laune heraus „herumzuschieben“.
Nachdem ich mich weigerte den Hund wieder
zurückzugeben, wurde ich von der lieben
Dame und ihrer inzwischen aus dem Gefängnis
entlassenen Mutter verklagt, weil ich den
Hund angeblich gestohlen hätte *auf den
Kopf greif*. Es folgten Wochen der Tyrannei
seitens der beiden Frauen. Auch meine Familie
blieb nicht verschont und wurde bedroht, was
dazu führte, dass sogar meine Eltern
mich darum baten den Hund doch wieder abzugeben.
Spärliche Unterstützung bekam ich
in dieser Zeit lediglich von meinem Freund
und meiner Schwester! Das war wirklich hart,
aber es hat sich gelohnt zu kämpfen!!!
Das Gericht sprach mich frei und beschloss,
dass mein Putzi bei mir bleiben durfte.
Endlich kehrte
bei uns allen Ruhe und Harmonie ein. Der Rechtsstreit
war erledigt und die „Probleme“
alle gelöst.
Dieses Glück
war uns allerdings nicht sehr lange vergönnt.
Nach nur insgesamt 9 Monaten, die wir miteinander
verbringen durften kam mein heißgeliebter,
kleiner Mann bei einem Autounfall ums Leben.
Heute noch kommen
mir die Tränen wenn ich an diesen winzigen
Hund mit riesigem Herzen denke!
Putzi, wir vermissen
dich ganz stark und werden dich niemals vergessen!